Aber lassen Sie mich dazu ein wenig ausholen: Mit einem Minus von 20 Prozent belegten die Papiere von THYSSENKRUPP im laufenden Jahr Platz 147 in der 160 Werte umfassenden Performanceliste der Mitglieder der DAX-Indexfamilie. Wegen der anhaltenden Talfahrt war die Aktie im September sogar aus dem DAX abgestiegen. Der Rauswurf aus der obersten deutschen Börsenliga war für THYSSENKRUPP eine Zäsur am Kapitalmarkt. Schließlich war mit THYSSEN ein Teil des 1999 mit Krupp fusionierten Unternehmens seit der Gründung des deutschen Leitindex im Jahr 1988 mit dabei. Lagen die letztjährigen Hochs für die Aktie von THYSSENKRUPP noch bei EUR 25, können Sie den Wert heute für EUR 12 kaufen. Zu besten Zeiten hatte man für die Aktie noch das Vierfache bezahlt. Den heutige Kurs von EUR 12 hatte die Aktie schon im Jahr 1989, was bedeutet, dass es die Gesellschaft per saldo über einen Zeitraum von sage und schreibe 30 Jahren nicht schaffte, einen Wertzuwachs für die Aktionäre zu erwirtschaften. Die Gründe hierfür sind natürlich vielfältig: Überkapazitäten und niedrige Preise belasten das Stahlgeschäft, die Krise in der Autobranche lastet schwer auf der Komponentensparte, der Anlagenbau steckt im Umbau, dazu drücken hohe Schulden. Also eigentlich wenig Gründe, die Aktie anzufassen. Wirklich?

 

Seit 1. Oktober hat THYSSENKRUPP mit Martina Merz einen neuen CEO, der sich einen radikalen Umbau auf die Fahnen geschrieben hat! Bis zum Jahr 2026 sollen EUR 4 Mrd. in das Stahlgeschäft investiert werden – ein Wort, angesichts eines aktuellen Börsenwertes von gerade einmal EUR 7 Mrd. Restrukturiert werden sollen aber auch die Bereiche Autozulieferung, Anlagen- sowie Schiffsbau. Dazu sollen von den weltweit 160.000 Stellen in drei Jahren zwischen 6.000 und 30.000 gestrichen werden. Bei einem Umsatz von EUR 40 Mrd. jährlich bringt jede Margenverbesserung um einen Prozentpunkt EUR 400 Mio. mehr in die Kasse – ein gewaltiger Hebel auf die aktuelle Marktbewertung von EUR 7 Mrd. Der Schlüssel zum Erfolg jedenfalls liegt in der Verwertung der lukrativen Aufzugssparte. Auf welche Weise – ob durch einen Teil- oder Komplettverkauf oder einen Börsengang – ist noch offen. Fest steht nur: Eine Entscheidung wird noch im ersten Quartal 2020 fallen. Und: „Am Ende werden wir uns für die Option entscheiden, die für den Konzern, seine Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter das Beste ist“, so Finanzchef Johannes Dietsch. Die Interessenten stehen jedenfalls Schlange. Kein Wunder:

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Die Aufzugssparte von THYSSENKRUPP gilt als Tafelsilber des Konzerns! Wie spannend der Sektor ist, zeigte der vorvergangene Woche in London abgehaltene „Elevator Technology Capital Market Day“. Demnach profitiert die Sparte von der zunehmenden Urbanisierung des Planeten, wird die städtische Bevölkerung doch von derzeit 4 Mrd. Menschen bis zum Jahr 2050 auf 7 Milliarden steigen. THYSSENKRUPP geht davon aus, dass der globale Aufzugsmarkt bis zum Jahr 2024 auf EUR 65,6 Mrd. steigt, wobei jährlich 900.000 Aufzüge neu installiert werden. Dabei sind nicht nur die Neuinstallationen interessant, sondern vor allem die damit verbundenen Service-Verträge, die über die gesamte Betriebsdauer von zehn bis 20 Jahren regelmäßige Erträge abwerfen. THYSSENKRUPP ist in dieser Branche als Nr. 4 weltweit und Nr. 1 in den USA hervorragend aufgestellt. Entsprechend haben zuletzt neben dem finnischen Wettbewerber Kone auch die Finanzinvestoren Advent und Cinven zusammen mit dem arabischen Staatsfonds ADIA Kaufinteresse signalisiert. Dem Vernehmen nach soll Kone bereits eine milliardenschwere Anzahlung geleistet haben. Und jetzt kommt’s: Analysten bewerten THYSSENKRUPP Elevators mit bis zu EUR 17 Mrd., ein Betrag, der rund 150 Prozent über dem aktuellen Marktwert der Gesellschaft liegt. Das bedeutet:

Ich setze auf einen Kurssprung bei der THYSSENKRUPP-Aktie um mindestens 20 Prozent, sobald Details zu dem Deal im Q1 2020 über den Ticker läuft! Konkret rechne ich in diesem Fall mit einem Kursanstieg von EUR 12 auf EUR 15. Ein Turbo-Call (WKN VF9JRB, Kurs EUR 2,30) mit Basis EUR 9,80 würde dann gut EUR 5 kosten und hätte sich damit mehr als verdoppelt. Mein Kursziel entspricht damit im Übrigen exakt jenem, das die beiden Investmenthäuser Jefferies und Kepler Cheuvreux vergangene Woche in neuen Kaufeinschätzungen zur THYSSENKRUPP-Aktie ausgegeben haben: Ich nehme eine Position in unser Musterdepot!

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