Keine Autokrise, keine China-Delle: Wenn es eine Region gibt, in der Spitzen-Hightech wie KI und 5G ungebremst boomt, dann im hohen Norden.

Mit dem Solactive-Nordic-Industry-4.0-Performance-Index können Anleger von dem Wachstumsmarkt Industrie 4.0 in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark gebündelt proitieren.

Innovationsführer Schweden

Im internationalen Vergleich belegt das Land in zahlreichen Aspekten vordere Plätze – vom Wirtschaftsklima bis zu Start-ups. Mit seinem Geschäftssinn, einem hohen Bildungsniveau sowie der Unterstützung durch die Regierung hat sich Schweden zu einer dynamischen Start-up Kultur entwickelt. Das Wirtschaftsmagazin Forbes bezeichnete Schweden 2018 als den besten Wirtschaftsstandort überhaupt. Der Global Sustainable Competitiveness Index sieht Schweden gar als das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Stockholm gilt zudem als Technologie-Hotspot, kommen doch Tech-Größen wie Spotify, Skype oder die beiden FinTechs Klarna und iZettle (wurde zuletzt für 2,2 Mrd. Dollar von PayPal übernommen) aus Schwedens Hauptstadt. Stockholm hat sich zudem den Ruf als einer der größten Einhorn (Unicorn)-Produzenten der Welt erarbeitet und folgt bei der Zahl der Start-up Unternehmen mit einer Marktbewertung von über einer Mrd. Dollar direkt auf das Silicon Valley.

Produktion 2030 als Antwort auf Industrie 4.0

Während in Deutschland der Leitbegriff „Industrie 4.0“ die Digitalisierung der Industrie plakativ zum Ausdruck bringt, verbindet Schweden mit dem Thema den Slogan „Produktion 2030“. Für Schweden und die nordischen Länder steht Industrie 4.0 für „Sustainability“, also Nachhaltigkeit, d.h. eine nachhaltige Produktion. Wichtige Faktoren dabei sind die Ressourcenefizienz gepaart mit lexibler und integrierter Produkt- und Produktionsentwicklung. Zwei Beispiele aus dem Index, die dies deutlich machen: Tomra Systems aus Norwegen ist ein führender Hersteller von Leergutrücknahmeautomaten in Supermärkten und Vorreiter der Kreislaufwirtschaft. ABB ist Vorreiter kolloaborativer Robotik, mit dem Ziel, Menschen in Produktionsabläufen nicht zu ersetzen, sondern menschengerechtere und wertschöpfendere Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Nicht ohne Grund war Schweden in diesem Jahr Partnerland der Hannover Messe. Die beiden Telekommunikationsausrüster Nokia und Ericsson (beide vertreten im Solactive-Nordic-Industry-4.0-Performance-Index) bespielten eine eigene Messehalle, in der sie die Vorzüge von 5G im Zusammenspiel von Industrie 4.0 zeigten. Mit 5G spielt Industrie 4.0 erst richtig seine Vorteile aus, da die hohen Datenmengen durch die hohen Übertragungsgeschwindigkeiten in Realzeit analysiert werden können.

Attraktives Umfeld

Eigentlich kann das Umfeld für Technologie-Innovationen kaum günstiger sein als oben im rauen Norden. Das Problem in Skandinavien: hohe Lohnkosten und der wachsende Mangel an Fachkräften. Um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Betriebe und Unternehmen gezwungen, immer effektiver, sparsamer und damit hochmargiger zu arbeiten. Hightech-Trends wie künstliche Intelligenz (KI) oder maschinelles Lernen leisten genau das. Dazu kommt: Die Menschen sind gut ausgebildet, neugierig und technikafin. Und: Sie sehen die Digitalisierung nicht als Schreckgespenst, sondern als Versprechen für ein besseres Leben. Da Länder wie Dänemark obendrein keinen großen Heimatmarkt haben, müssen die Unternehmen besonders innovativ und kundennah sein. Folge: Die dänische Stadt Odense, unter anderem Heimat von Universal Robots (heute Teradyne), des größten Herstellers von kollaborativen Robotern weltweit, gilt als „Silicon Valley der Robotik“. Kurzum: Skandinavien ist heute der Hotspot, wenn es um die heißesten Hightech-Trends geht – von selbstlernenden Maschinen bis zum Netz, das alles mit allem verbindet: der neue Super-Mobilfunkstandard 5G.

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Eigener Kosmos

Die Frage ist nur: Wer genau sind die Hightech-Durchstarter im hohen Norden? Und wer von ihnen hat das meiste Potenzial? Die Schweizer Bank Vontobel brachte im März ein Zertiikat auf den Markt, das den Solactive-Nordic-Industry-4.0-Performance-Index 1: 1 nachbildet – ein Korb aus 18 Top-Techs mit Schwerpunkten wie KI, maschinelles Lernen, Energiegewinnung und 5G.

„Was in Deutschland die Autoindustrie ist, ist in den Nordländern die Rohstoffbranche“, sagt Thomas Rappold, Technologieexperte, Unternehmer, Buchautor („Silicon Valley Investing“, „Peter Thiel“) und verantwortlich für die Titelauswahl im Vontobel-Zertiikat, zu Börse Inside. Anders als Industrieländer wie Deutschland, die in hohem Maß abhängig sind von Märkten wie China oder dem Gesundheitszustand der Autobranche, leben die Nordstaaten sozusagen in ihrem eigenen (Rohstoff-)Kosmos. „In den vier nordischen Ländern gibt es zahlreiche Hidden Champions, die eine starke Heimatbastion haben und – ähnlich wie Deutschland – stark exportorientiert sind“, erklärt Rappold.

Dass Schweden dieses Jahr Partnerland der Hannover Messe ist, kommt also nicht von ungefähr. In Sachen Robotik, Automatisierung und Digitalisierung ist das Land mit der blau-gelben Nationallagge den meisten anderen Nationen in der Welt weit voraus. Nur ein Beispiel: 2017 setzte die schwedische Industrie (ohne Automotive) durchschnittlich 180 Roboter je 10000 Beschäftigte ein. Das reichte laut der International Federation of Robotics (IFR) weltweit zu Platz vier – dicht hinter Europameister Deutschland (191 Roboter je 10000 Arbeiter). Satte 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ließen in die Forschung und Entwicklung – Spitze in Europa. Doch woher kommt der Ehrgeiz, in Sachen KI und Machine Learning europaweit an die Spitze zu drängen? Es geht um Ressourcenefizienz, lexible Produktion, virtuelle Fertigung und um den „Menschen in der Produktion“. Die Wunschvorstellung in den Betrieben: Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand. Kollaborative Robotik heißt das Zauberwort in der Wirtschaft. Ein immer noch blutjunger Zweig in der Robotik, der laut IFR erst drei Prozent am Gesamtmarkt ausmacht. Bis 2025 soll der Anteil dagegen auf mehr als ein Drittel (25 Milliarden Dollar) explodieren. Was insbesondere für den Standort Dänemark spricht: Weil das Investmentkapital knapp ist, sind die Entwickler gezwungen, möglichst wenig Geld zu verbrennen. Das macht sie widerstandsfähig im Vergleich zu den Geldverbrennern im kalifornischen Silicon Valley.

5G – „Pipeline des 21. Jahrhunderts“

Praktisch auch, dass gleichzeitig diejenigen, deren Technologie die Technologie der anderen überhaupt realisierbar macht, aus derselben Region stammen: Netzwerkausrüster wie die innische Nokia oder Ericsson aus Schweden. 5G heißt der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg, eine Art Turbo in der Big-Data-Welt. Etwa dann, wenn Schadenmuster erkannt werden müssen, um Ausfälle frühzeitig zu erkennen oder Autos Verkehrsinformationen austauschen. Fahrerlose Transportsysteme, mobile Werkzeuge oder Roboter – die digitale Welt funktioniert nur mit einer hochleistungsfähigen Funktechnologie. Vor allem die Industrie iebert der Hochgeschwindigkeits-Datenautobahn entgegen. Kein Wunder: 5G erlaubt günstigere Fertigungsprozesse, neue Formen der Rohstofferschließung und Energiegewinnung und Maschinenkommunikation in Echtzeit. Und: Der Stromverbrauch pro übertragenem Bit beträgt ein Tausendstel des Netzwerkvorläufers LTE.

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