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DAX auf Rekordhoch: Wie viel Luft ist noch nach oben?

Der DAX hat die Marke von 26.000 Punkten erstmals hinter sich gelassen und ein neues Allzeithoch markiert. Charttechnisch ist damit ein wichtiges Kaufsignal aktiviert – doch für Trader zählt jetzt vor allem, ob der Ausbruch auch verteidigt werden kann.

21. August, 10:14 Uhr von Martin Wagner

Noch vor wenigen Wochen wirkte der deutsche Leitindex erstaunlich lethargisch. Die Kurse bewegten sich seitwärts, Anleger warteten auf neue Impulse und rund um die bisherigen Rekordstände fehlte die Kraft für einen nachhaltigen Ausbruch.

Genau dieses Bild hat sich inzwischen verändert.

Der DAX schloss zu Wochenbeginn erstmals oberhalb von 26.000 Punkten und erreichte im weiteren Verlauf ein neues Zwischenhoch bei 26.404 Punkten. Damit wurde eine Marke überwunden, die zuvor mehrfach als technische Hürde fungiert hatte. Besonders relevant ist der Bereich um 25.891 bis 25.900 Punkte: Dort lag das entscheidende Ausbruchsniveau, das mit der jüngsten Bewegung nach oben aktiviert wurde.

Für Trader ist damit eine neue Phase angebrochen. Die Frage lautet nicht mehr, ob der DAX die alten Hochs überwinden kann. Jetzt geht es darum, ob er sich oberhalb dieser Zone etablieren kann.

Aus einer Seitwärtsphase wird plötzlich ein Ausbruch

Interessant ist vor allem, wie der DAX dieses Niveau erreicht hat.

Noch in der vorherigen Ausgabe stand der Bereich um 25.900 Punkte als bisheriges Allzeithoch im Mittelpunkt. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber sollte als neues Long-Signal gewertet werden. Gleichzeitig blieb der langfristige Aufwärtstrend intakt und wurde über mehrere Monate hinweg immer wieder erfolgreich verteidigt.

Nun ist genau dieser Breakout erfolgt.

Charttechnisch lässt sich die Bewegung laut Optionsschein Trader als möglicher „rounding bottom“ interpretieren – also als eine abgerundete Bodenformation, bei der sich der Verkaufsdruck über längere Zeit abschwächt und anschließend in einen neuen Aufwärtstrend übergeht.

Das Interessante daran: Solche Formationen entstehen nicht innerhalb eines Tages. Sie spiegeln einen schleichenden Stimmungswechsel wider.

Zunächst hören die Kurse auf zu fallen.

Dann werden Rücksetzer zunehmend gekauft.

Anschließend beginnt der Markt, ehemalige Widerstände zurückzuerobern.

Erst danach folgt der eigentliche Ausbruch.

Genau dieser letzte Schritt könnte beim DAX jetzt erfolgt sein.

Oberhalb von 27.000 Punkten wäre rechnerisch Luft

Aus der beschriebenen Formation ergibt sich laut der im Börsenbrief zitierten technischen Einschätzung ein rechnerisches Anschlusspotenzial von rund 1.250 Punkten. Damit wäre bei erfolgreicher Fortsetzung sogar ein Indexstand oberhalb von 27.000 Punkten denkbar.

Das klingt zunächst spektakulär, sollte aber richtig eingeordnet werden.

Charttechnische Kursziele sind keine Garantie. Sie zeigen vielmehr, welches Potenzial eine Formation theoretisch besitzt, wenn der Ausbruch bestätigt wird und sich das Muster vollständig entfaltet.

Genau deshalb ist der Bereich um 25.900 Punkte nun wichtiger als das mögliche Ziel selbst.

Solange der DAX oberhalb dieser Zone bleibt, besitzt der Ausbruch Glaubwürdigkeit. Wird das Niveau dagegen schnell wieder unterschritten, steigt die Wahrscheinlichkeit eines Fehlausbruchs.

Für aktive Anleger ist das die deutlich bessere Ausgangslage als eine diffuse Prognose wie „der DAX könnte weiter steigen“. Es gibt jetzt konkrete Marken, an denen sich das Szenario überprüfen lässt.

Das alte Allzeithoch wird zum neuen Prüfstein

Das Prinzip ist eines der ältesten der Charttechnik: Ein überwundener Widerstand sollte anschließend zur Unterstützung werden.

Genau diesen Test muss der DAX jetzt bestehen. Die Zone um 25.900 Punkte war zuvor die Decke. Nach dem Ausbruch sollte sie nun im Idealfall zum Boden werden. Ein kurzfristiger Rücksetzer an diese Marke wäre deshalb noch kein Schwächesignal. Im Gegenteil: Wird das Niveau anschließend wieder gekauft, könnte dies den Breakout sogar bestätigen.

Problematischer wäre ein klarer Wochenschluss unterhalb der Ausbruchszone. Der Optionsschein Trader weist ausdrücklich darauf hin, dass ein solcher Rückfall das positive Szenario schnell entkräften könnte. Als zusätzliche Orientierung dient das obere Bollinger-Band, das in der Ausgabe bei rund 25.830 Punkten verläuft. Damit entsteht ein relativ enger technischer Entscheidungsbereich. Oberhalb von rund 25.900 Punkten bleibt der Markt konstruktiv. Unterhalb davon nimmt das Risiko eines Fehlausbruchs zu.

Und je weiter der Index anschließend unter die Marke zurückfällt, desto vorsichtiger sollten Trader werden.

Gerade Rekordhochs sind psychologisch interessant

Neue Allzeithochs besitzen eine Besonderheit, die häufig unterschätzt wird. Es gibt oberhalb des Marktes kaum Anleger, die auf alten Verlustpositionen sitzen und nur darauf warten, „endlich wieder bei null herauszukommen“. Klassische Widerstände durch frühere Hochpunkte existieren nicht mehr. Das kann Kursbewegungen beschleunigen.

Gleichzeitig locken neue Rekorde natürlich Gewinnmitnahmen an. Anleger, die deutlich tiefer eingestiegen sind, nutzen hohe Kurse häufig zur Absicherung oder Reduzierung ihrer Positionen. Deshalb verlaufen Ausbrüche über Allzeithochs selten vollkommen geradlinig. Ein paar schwächere Handelstage wären nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist vielmehr, ob Rücksetzer gekauft werden und der Markt anschließend wieder nach oben dreht.

Genau hier zeigt sich, ob hinter dem Rekordhoch tatsächlich neue Nachfrage steckt oder lediglich kurzfristige Euphorie.

Der DAX steigt trotz eines alles andere als perfekten Umfelds

Bemerkenswert ist die Stärke auch deshalb, weil die makroökonomische Lage keineswegs entspannt ist. Inflation und Zinsen bleiben ein Thema. Die weitere Entwicklung im Nahen Osten ist schwer kalkulierbar. Energiepreise können jederzeit wieder stärker schwanken. Gleichzeitig ist die konjunkturelle Erholung in Europa noch nicht so robust, dass Anleger sämtliche Risiken ignorieren könnten. Und trotzdem erreicht der DAX ein neues Allzeithoch. Das ist ein wichtiges Signal.

Märkte müssen nicht auf perfekte Rahmenbedingungen warten. Oft reicht es, wenn die Lage weniger schlecht ausfällt als zuvor befürchtet und gleichzeitig genügend Kapital nach Anlagechancen sucht. Gerade deshalb sollten Trader dem Preisverhalten mehr Gewicht geben als ihrer persönlichen Einschätzung zur wirtschaftlichen Lage. Ein Index, der trotz schlechter Nachrichten neue Höchststände erreicht, zeigt relative Stärke. Das bedeutet nicht, dass Risiken verschwunden sind. Es bedeutet aber, dass der Markt sie derzeit absorbieren kann.

Warum jetzt Disziplin wichtiger wird

Mit steigenden Kursen wächst häufig die Versuchung, Stopps weiter wegzusetzen oder Risiken zu ignorieren. Genau jetzt wäre das der falsche Ansatz. Denn die technische Situation ist zwar positiv, aber ungewöhnlich klar definiert. Der Ausbruch über 25.900 Punkte liefert eine gute Orientierung dafür, wann das Szenario funktioniert – und wann nicht.

Trader müssen deshalb nicht raten. Bleibt der Index oberhalb der Ausbruchszone und bildet anschließend höhere Hochs und höhere Tiefs, spricht vieles für eine Fortsetzung der Bewegung. Kommt es dagegen zu einem schnellen Rückfall unter die Marke und fehlt anschließend die Kraft zur Rückeroberung, wäre Vorsicht angebracht. Besonders problematisch wäre ein sogenannter Bull Trap: Der Index bricht über das Rekordhoch aus, lockt neue Käufer in den Markt und fällt anschließend wieder deutlich unter den Ausbruchspunkt zurück.

Solche Bewegungen können scharf ausfallen, weil neue Long-Positionen schnell wieder geschlossen werden müssen. Gerade deshalb ist ein bestätigter Wochenschluss oberhalb der entscheidenden Zone deutlich wertvoller als ein kurzfristiges Intraday-Hoch.

Nicht dem Index hinterherlaufen

Auch wenn der DAX technisch stark aussieht, bedeutet ein neues Rekordhoch nicht automatisch, dass jeder Einstieg zu jedem Preis sinnvoll ist. Nach einer schnellen Bewegung nach oben können kurzfristige Rücksetzer jederzeit auftreten. Für Trader ist deshalb häufig interessanter, wie sich der Markt an seinen neu eroberten Unterstützungen verhält.

Ein kontrollierter Rücklauf Richtung Ausbruchszone mit anschließender Stabilisierung kann ein saubereres Chance-Risiko-Verhältnis bieten als der Einstieg unmittelbar nach mehreren starken Handelstagen. Damit bleibt die Grundidee simpel: Stärke respektieren. Aber nicht blind hinterherlaufen.

Die Charttechnik liefert derzeit genügend Marken, um geduldig auf Bestätigung zu warten.

27.000 Punkte sind möglich – aber 25.900 Punkte sind wichtiger

Natürlich sorgt ein mögliches Kursziel oberhalb von 27.000 Punkten für Aufmerksamkeit. Für die tägliche Handelsentscheidung ist diese Marke jedoch zunächst zweitrangig. Der entscheidende Bereich liegt deutlich näher.

Die Zone um 25.900 Punkte trennt aktuell ein intaktes Ausbruchsszenario von einer möglichen Fehlausbruchsbewegung. Solange sie hält, bleibt der technische Vorteil bei den Käufern. Kann der DAX darüber neue Hochs etablieren, eröffnet sich weiteres Potenzial.

Fällt er dagegen nachhaltig darunter zurück, sollte das Szenario neu bewertet werden. Gerade das macht die aktuelle Lage für Trader interessant: Es gibt eine klare Chance – aber ebenso eine klare Invalidierung. Der DAX steht auf Rekordniveau. Jetzt muss er beweisen, dass er dort auch bleiben kann.

Stand: Ausgabe 32 von 48 (2026).

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